Wird Werbung bei ARD und ZDF demnächst verboten?

Ortsausgangsschild "Rundfunkgebühren"Vor wenigen Tagen ließ die Zeitungsmeldung „ARD und ZDF vielleicht bald werbefrei“ Fernsehzuschauer aufhorchen. Werbung auf öffentlich-rechtlichen Sendern stößt bei den meisten Zuschauern auf wenig Verständnis: Da sie hohe Zwangsgebühren bezahlen müssen, erwarten sie im Gegenzug von nervigen Werbespots verschont zu bleiben. Tatsächlich ist die Werbezeit auf ARD und ZDF schon jetzt stark begrenzt: Maximal 20 Minuten pro Tag von Montag bis Samstag dürfen die Sender Werbung zeigen, nach 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ist Werbung untersagt, die Dritten Programme müssen  komplett darauf verzichten. Finanziert werden die Programme der Öffentlich-Rechtlichen TV-Sender nur zu einem kleinen Teil über Werbeverträge: Noch belaufen sich die Einnahmen aus Werbung auf rund 500 Millionen Euro pro Jahr, doch das kann sich bald ändern…

Der weitaus größere Teil der Finanzierung läuft über die gut bekannten und viel geschmähten Rundfunkgebühren. Der Vorschlag für eine Abschaffung der Werbeblöcke resultiert aus den Überschüssen der Rundfunkbeiträge, die in der kommenden Periode bis 2016 rund 1,5 Milliarden € betragen sollen. Ein Teil davon, etwa 400 Millionen €, geht an die Gebührenzahler zurück, der Rundfunkbeitrag wird von bislang 17,98 € auf 17,50 € sinken. Wofür das restliche Geld eingesetzt wird, ist noch unklar. Ein naheliegender Vorschlag ist daher, die Werbeblöcke abzuschaffen. Klar ist jedoch auch, dass die fehlenden Werbeeinnahmen nicht komplett über die Gebührenüberschüsse ausgeglichen werden können, der Zuschauer müsste also wieder zur Kasse gebeten werden: Nach Angaben der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs würde der Rundfunkbeitrag um 1,25 € pro Zuschauer steigen. Die privaten Sender, allen voran deren Dachverband VPRT forden schon seit langem eine Abschaffung der Werbeblöcke, denn das private Fernsehen wird komplett über Werbeeinnahmen finanziert. Und dorthin, hofft der VPRT, würden die Werbetreibenden sogleich abwandern. Sofern nicht ein kräftiger Teil der Werbegelder direkt in zeitgemäßere Onlinemedien umgeschichtet wird, könnte das bedeuten: Noch mehr nervige Werbung auf den privaten Sendern!

Eine Lösung wäre die Werbeanteile im öffentlich-rechtlichen Fernsehen  zumindest zu senken. So würde der Zuschauer von weniger störenden Werbeunterbrechungen profitieren und die Überschüsse könnten zielführend eingesetzt werden. Eine andere Möglichkeit, die auch von Seiten der Journalisten und Medienschaffenden immer wieder gefordert wird, wäre die Überschüsse in den qualitativen Ausbau der TV-Inhalte zu stecken, um anspruchsvolleres Fernsehen zu produzieren und so dem gesellschaftlichen Auftrag zu entsprechen.

Darüber hinaus muss eine Diskussion über die Transparenz bei der Verwendung der Gebühren angestoßen werden. Denn wer weiß schon wofür die Gelder überhaupt ausgegeben werden? Wie viel kosten große Samstagabendshows und wie viel verdient der Moderator einers Polittalks eigentlich? Erst durch die Offenlegung der Mittelverwendung kann eingeschätzt werden, ob die Gebührengelder angemessen eingesetzt werden. Gefordert wird sogar schon, dass die der „Zwangsabgabe“ komplett abgeschafft und durch eine alternatives Finanzmodell (z.B. einen öffentlichen Steuerfonds) ersetzt wird. Das würde die Diskussion um die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens jedoch nicht beenden, sondern die Debatte um die Sinn und Unsinn der Rundfunkgebühren sowie die Qualität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens noch weiter vorantreiben. Denn: Nicht nur Schönheit, sondern auch Qualität liegt immer im Auge des Betrachters. Und wer weiß, was dem Zuschauer wichtiger ist: ein qualitativ hochwertiges Fernsehprogramm oder das liebe Geld. Kathrin Womser erforscht u. a. Fernsehinhalte bei preceptor.

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