Derselbe Suchbegriff, aber unterschiedlich viele Treffer? Der Grund sind oft Lizenzfragen

copyright-389901_1280Am Anfang fast jeder Medieninhaltsanalyse steht die Beschaffung der Beiträge oder Clippings. Das geschieht häufig mit Hilfe von Datenbanken, die entsprechend der gewünschten Suchstrings nach relevanten Medienbeiträgen durchsucht werden. Dumm nur, wenn mit denselben Suchbegriffen, für dasselbe Medium und für den selben Zeitraum in unterschiedlichen Datenbanken unterschiedlich viele Treffer ausgeworfen werden. Sind die Datenbanken etwa unvollständig? Ja, und das hat einen ganz einfachen Hintergrund!  

Die Suche nach Medieninhalten kann direkt in den digitalen Archiven der Zeitungsverlage geschehen (bei manchen kann man online selbst suchen, bei anderen muss man einen Auftrag erteilen) oder mit Hilfe von Mediendatenbanken wie GBI-Genios, Factiva oder LexisNexis erfolgen. Welche Quelle man auswählt, hängt in der Regel vom angebotenen Medienpanel ab (nicht jeder Anbieter hat alle Medien im Programm), von der Zweckdienlichkeit der Operatoren (wie können Suchbegriffe kombiniert oder ausgeschlossen werden) und natürlich den Preiskonditionen. Dabei kann es vorkommen, dass bei den unterschiedlichen Datenbanken trotz Verwendung des korrekt angepassten Suchstrings, der Auswahl derselben Medien und des identischen Zeitraums unterschiedliche Trefferanzahlen auftreten. Warum?! Nun, schuld ist das Prinzip der Content-Syndication. Unter Content-Syndication wird der Austausch oder die Mehrfachverwertung medialer Inhalte verstanden. Content-Syndication ist im Mediensektor gängige Praxis. Tageszeitungen veröffentlichen Artikel meist in all ihren regionalen Unterausgaben und auf der eigenen Website, oder füllen ihre Seiten mit Inhalten von Nachrichtenagenturen. Online wird das Einbetten fremder Inhalte auf der eigenen Website durch Tools wie RSS-Feeds oder News-Aggregatoren sogar automatisiert möglich.

Solange die Mehrfachverwertung rechtlich abgesichert ist, stellt das Vorgehen kaum ein Problem dar. Festangestellte Redakteure übertragen dem Verlag in ihrem Tarifvertrag automatisch diese Verwertungsrechte. Bei Beiträgen von freien Redakteuren oder von Nachrichtenagenturen werden mit dem Kauf die unterschiedlichen Verwertungskanäle vertraglich ein- bzw. ausgeschlossen. Dabei lässt sich festlegen, ob ein Beitrag beispielsweise nur einmalig abgedruckt werden darf, ob die Online-Archivierung gestattet ist oder ob der Verlag den Beitrag an so genannte Dritte, also zumeist kommerzielle Mediendatenbanken, weiterverkaufen darf. Durch diese möglichen Einschränkungen kommt es vor, dass Beiträge zwar in der Zeitung abgedruckt sind, im Online-Archiv oder in externen Mediendatenbänken jedoch nicht zur Verfügung stehen. Für Medienanalysten wird dies bei der Ermittlung der exakten Anzahl aller relevanten Beiträge zu einem einschränkenden Problem. Aus forschungspragmatischen Gründen muss sich für die Suchresultate einer Quelle entschieden werden.
Da der Weiterverkauf der Artikel an Mediendatenbanken durch die Verlage trotz fehlender Rechte gängige Praxis ist, sind die Abweichungen der Trefferzahlen allerdings gering. Medienanalysten freuen sich dadurch zwar über vollständige Ergebnislisten, bei den Urhebern der Beiträge sorgt das Vorgehen hingegen für berechtigte Empörung. Die Autoren können zwar das Löschen ihrer Texte in den Datenbanken veranlassen, Klagen auf eine nachträgliche Beteiligung an den Verkaufserlösen bleiben jedoch häufig erfolglos. Leonie Schulz

Einen interessanten Einblick in den Umgang von Online-Zeitungsarchiven mit den Texten freier Autoren gibt Journalist Ilja Braun auf der Plattform iRights Info. Der Artikel erschien bereits 2008 – an der Problematik hat sich bis heute jedoch wenig geändert. Auch die aktuellen Debatten um die Änderung des Leistungsschutzrechts für Presseverleger sind weit davon entfernt die Position der Autoren ebenfalls zu berücksichtigen und zu stärken.

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