TV-Trends: Online, vernetzt und rund um die Uhr fernsehen

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Das waren noch Zeiten, als sich die gesamte Familie vor einem Fernseher versammelte und auf EIN Programm einigen konnte.

Smart TV, Web TV, IPTV, Social TV – Begriffe, die ähnlich klingen, aber  unterschiedliches meinen. All diese  „buzz words“ haben zwar irgendwas mit Fernsehen zu tun, aber was genau, wird in diesem Beitrag erklärt.

Schlaue TV-Geräte: Smart TV/Connected TV und HbbTV

Der Begriff Smart TV (synonym verwendet wird Connected TV) bezeichnet TV-Geräte, die mit dem Internet verbunden können. Dies kann zum einen über Applikationen (die vom Smartphone bekannten Apps) geschehen, die entweder auf dem Gerät vorinstalliert sind oder hinzugefügt werden. Zum anderen kann die Internetverbindung über Spielekonsolen oder Set-Top-Boxen aufgebaut werden. Über diese Geräte ist es auch möglich, zeitlich versetzt fernzusehen, d.h. eine aktuellen Film oder Beitrag zu pausieren oder Sendungen aufzunehmen (sogenanntes Timeshifting).

Zum anderen gibt es die Möglichkeit des Zugangs über HbbTV (Hybrid Broadcasting Broadband TV), das von den TV-Sendern bereitgestellt wird. Über einen Knopf auf der Fernbedienung („Red Button“) gelangt der Zuschauer in ein spezielles Menü, das verschiedene Anwendungen und weitergehende Informationen bereitstellt. HbbTV kann vereinfacht als der Nachfolger des nicht mehr zeitgemäßen Videotextes angesehen werden und bietet eine Vielzahl an interaktiven Möglichkeiten. Zudem ist HbbTV weitaus schneller, dynamischer und durch die bessere Auflösung auch optisch ansprechender. Vor allem im Rahmen von medialen Großereignissen, wie z.B. der Fußball-Weltmeisterschaft, wird das Angebot über den roten Knopf von den Sendern weiter ausgebaut, um den Zuschauern möglichst viele zusätzliche Informationen zu bieten und Reichweite zu generieren.

Ältere Geräte, welche nicht über die Smart TV- und HbbtTV-Funktionen verfügen, können seit neuestem mittels externer Geräte aufgerüstet werden. Das wohl bekannteste Angebot kommt von Apple: Apple TV ist eine kleine Box, die mit dem Fernseher verbunden wird und die Übertragung von Fotos, Videos und Filmen vom iPhone, iPad oder MacBook auf das Gerät ermöglicht. Eine Alternative für alle Nicht-Apple-Nutzer ist der Google Chromecast Stick, der ähnlich funktioniert: über einen HDMI-Stecker wird er an das Gerät angeschlossen, danach können über den Stick eigene Dateien auf dem Bildschirm angezeigt und über eine Schnittstelle auch Apps genutzt werden (z.B. Watchever und Maxdome).

Kleines Format ganz groß: Web TV / IPTV

Neben der Vernetzung des TV-Geräts mit dem Internet ist es auch möglich, Fernsehen direkt über das Internet zu empfangen (Web TV oder IPTV). IPTV (Internet Protocol Television) meint dabei die Übertragung von Rundfunk über ein Breitbandnetz. Während IPTV ausschließlich von Telekommunikationsunternehmen angeboten wird, ist Web TV kostenlos im Internet empfangbar, die Bewegtbildinhalte sind speziell für das Internet aufbereitet und werden üblicherweise nur auf kleineren Bildschirmen konsumiert (z.B. Laptops, Smartphones, Tablets). Die Nutzung von WebTV ist im Gegensatz zum klassischen Fernsehen („lineares Fernsehen„) zeitunabhängig möglich. Die Angebote im Bereich Internetfernsehen reichen von den sendereigenen Mediatheken (z.B. ARD Mediathek, RTL Now) über die Entertainment-Angebote der großen Kabelnetzbetreiber (Kabel Deutschland, UnityMedia, Deutsche Telekom) bis hin zu freien Internet-TV-Angeboten, die alle oder zumindest eine große Auswahl an Sendern kostenlos ausstrahlen. Die in Deutschland am bekanntesten und auch am weitesten verbreitete Angebote sind Zattoo und magine.

Wenn Fernsehen alleine nicht genug ist: Second Screen und Social TV

Unter dem Begriff Second Screen versteht man die Nutzung von Webinhalten auf einem zweiten Bildschirm, die parallel zur Fensehnutzung stattfindet. Dabei können Smartphones, Laptops oder Tablets als Second Screen fungieren. Von Second Screen-Anwendungen wird vor allem dann gesprochen, wenn zwischen der Anwendung auf dem mobilen Endgerät und dem Fernsehprogramm eine direkte inhaltliche oder technische Verbindung besteht. Zur Second Screen-Nutzung zählen allerdings auch Inhalte, die während des Fernsehens abgerufen werden, mit dem Programm selbst jedoch nichts zu tun haben, wie etwa E-Mails lesen oder chatten. Beschäftigen sich die Chatgespräche mit dem TV-Programm, werden weiterführende Informationen zur Sendung gesucht oder auf Facebook Posts zur Sendung kommentiert, spricht man von Social TV.

Social TV bezeichnet eine neue, gemeinsame Form des Fernsehens. Im Vordergrund steht die soziale Interaktion von Zuschauern, welche räumlich voneinander getrennt sind, sich aber vor, während oder nach der Fernsehrezeption über das Programm austauschen. Der Austausch findet über verschiedene technische Geräte (insbesondere PC, Tablet, Smartphone oder Smart TV) und auf Plattformen wie Facebook oder Twitter, sendereigenen Anwendungen, wie etwa die RTL Inside oder ProSieben Connect oder spezifische Social TV-Anwendungen, z.B. Couchfunk oder wywy statt. Zusätzlich bieten die Sender interaktive Online-Angebote zu TV-Angeboten an (z.B. Tatort plus).

Es wird deutlich: Im Bereich Fernsehen gibt es keinen Stillstand. Smart TV, insbesondere zeitversetztes Fernsehen und Video on Demand-Angebote werden immer wichtiger und sind aus fast keinem Haushalt mehr wegzudenken. HbbTV wird auf lange Sicht den guten alten Videotext ablösen und dem Zuschauer noch mehr Zusatz- und Hintergrundinformationen liefern. Auch die Web TV-Angebote sind auf dem Vormarsch: Abrufe über die Mediatheken der Sender vergrößern die Reichweite und machen das Fernsehprogramm überall empfangbar. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Zugriffszahlen Einzug in die Reichweitenmessung halten. Inwieweit sich jedoch Social TV in den Nutzungsgewohnheiten der Zuschauer etablieren kann und ob die Sender weiter auf Social TV setzen und passende Angebote langfristig in ihr Programm aufnehmen, muss sich erst noch zeigen. Kathrin Womser

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