Worüber spricht Russland? Recherche in russischen Mediendatenbanken

1024px-Moscow_rally_24_December_2011,_Sakharov_Avenue_-8

Foto: Bogomolov.PL on wikimedia unter cc-by-sa

Olympische Spiele, Ukraine-Krise, Wirtschafts-Sanktionen und Staatsoberhaupt Putin: Russland ist seit einigen Monaten in den deutschen Medien präsenter denn je.
Doch womit beschäftigt sich eigentlich die russische Medienlandschaft? Wie wird in der landeseigenen Presse zu den aktuellen Debatten berichtet? Welche Themen dominieren die öffentliche Meinung?
Eine Möglichkeit, sich aus der Ferne ein eigenes Bild über die russische Berichterstattung zu machen bieten diese vier Mediendatenbanken. Bei einigen kommen Sie sogar ohne Russischkenntnisse aus…

Integrum WorldwideIntegrum World Wide nennt sich die größte kommerzielle russische Datenbankensammlung. Nach eigenen Angaben vereint die Plattform über 7.000 verschiedene Datenbanken und ermöglicht die Recherche in mehr als 500 Mio. russischen und internationalen Dokumenten: darunter überregionale und internationale Tageszeitungen, Radio und TV-Beiträge, Meldungen von Nachrichtenagenturen, Internetquellen sowie Dokumente staatlicher Organisationen. Die Dokumente beziehen sich auf die Bereiche Politik, Kultur, Wirtschaft und Religion Russlands und der GUS-Staaten. Die Schlagwortsuche kann auf Russisch oder Englisch erfolgen, wobei die englischsprachige Recherche auf Dokumente begrenzt ist, die auch in dieser Sprache erschienen sind. Mit Übersetzungstools lässt sich auch leicht in dem breiteren russischsprachigen Spektrum recherchieren. Die Datenbankabfrage kann bei Integrum mit Hilfe boolescher Operatoren verfeinert werden. Die Trefferliste zeigt sowohl Überschrift des Medienbeitrags als auch das Wortumfeld des gefundenen Stichwortes an – die Treffer können so einer ersten groben Relevanzprüfung unterzogen werden. Der volle Zugriff auf die gefundenen Medienbeiträge ist allerdings kostenpflichtig. Die Preise schwanken je nach Paketumfang zwischen 70€ bei der Suche nach bestimmten Artikeln, bis hin zu 900€ monatlich für einen unbegrenzten vollen Zugang. Viele deutsche Bibliotheken und Hochschulen bieten Ihren Mitgliedern und Studierenden jedoch bei nichtkommerzieller Nutzung ebenfalls einen vollen kostenfreien Zugang zu der Datenbank.

Medialogia_LogoMedialogia war die erste russische Mediendatenbank und bietet heute Zugriff auf ca.18.000 Medienquellen aus Russland und den GUS-Staaten sowie über 92 Mio. Social Media Quellen. Darunter befinden sich auch Skripte aller großen russischen TV-Kanäle sowie Information der Nachrichtenagenturen RIA, ITAR-TASS und PRIME. Medialogia sieht sich nicht primär als Datenbank sondern vor allem als Analysetool. Gegen ein Entgelt von $1.200 im Monat können Nutzer in englischer und russischer Sprache in der Datenbank recherchieren und ihre Treffer zugleich mittels quantitativer und qualitativer Verfahren auswerten lassen.

Scan_LogoScan ist eine Datenbank, die von der Nachrichtenagentur Interfax erstellt wurde. Dadurch ist ein vollständiger und tagesaktueller Zugriff auf Meldungen der Agentur möglich. Zusätzlich lassen sich via Scan alle Nachrichten der Interfax bis 1989 zurückverfolgen. Neben den Meldungen von Interfax bietet die Datenbank  auch Zugriff auf ca. 15.000 russische und internationale Medienquellen, darunter Printmedien, Pressemitteilungen, Online-Quellen, TV und Radio-Beiträge. Scan ist ebenfalls eine kostenpflichtige Datenbank. In der Demoversion lassen sich  Medienquellen der letzten zwei Wochen durchsuchen. Eine Trefferliste, liefert sowohl Titel des relevanten Beitrags, Suchwortumfeld, als auch die vollständige Quellenangabe. Die Suche kann auf Englisch oder Russisch erfolgen.

public.ru_logoEine weitere Datenbank ist public.ru. Neben 12.000 Medienquellen aus Russland und den GUS-Staaten beinhaltet die Datenbank auch Quellen aus 10 weiteren Ländern. Public.ru hält Dokumente aus dem politischen und wirtschaftlichen Bereich bereit und liefert zudem relevante Treffer aus vielen Fachmedien. Eine englischsprachige Suche ist nur in eingeschränktem Umfang möglich. Lediglich die Startseite der Datenbank wurde ins Englische übersetzt. Ohne eine vorherige Registration können Nutzer nur auf Erscheinungen der letzten zwei Tage zuzugreifen. Die Trefferliste enthält allerdings keine Artikelvorschau. Den Zugang zu kompletten Artikeln und die Recherche über längere Zeiträume lässt sich public.ru mit 300€ im Monat bei Privatpersonen und mit 400-800€ für den Firmenzugang bezahlen.
Zusammenstellung: Polina Perepechina

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s