Von Urhebern und Microstocks: Der richtige Umgang mit Bildern

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Foto: Cory Doctorow on Flickr unter cc-by-sa

120 Millionen Dollar Schadensersatz für geklaute Bilder! Auf diese Summe verklagte der bekannte Fotograf Daniel Morel die Nachrichtenagentur AFP. 2012 postete Morel via Twitter Bilder vom Erdbeben auf Haiti. Die AFP übernahm diese Bilder ungefragt in den eigenen Bildpool und verkaufte sie an Bildagenturen weiter. Dies ließ der Fotograf nicht auf sich sitzen: Zustande kam eine Klage in Rekordhöhe.
Doch nicht immer sind „Täter“ und „Opfer“ so bekannt wie AFP und Morel. Auch Privatpersonen und Firmen nutzen in Studien, Vorträgen, auf Blogs und Social Media Seiten häufig unbedacht Bilder und Fotos aus dem Internet, ohne sich Gedanken über Urheberschutz und Verwendungsrechte zu machen. Vielen Nutzern ist nicht bekannt, dass die unrechtliche Benutzung von Bildern und Fotos genauso strafbar ist, wie beispielsweise der illegale Musikdownload.
Hierauf sollten Sie bei der Nutzung von Bildern genauer achten:

1) Bildrechte: Von Urheber- bis Persönlichkeitsrecht

Die mangelnde Sensibilisierung für Bildrechte ist auch der Komplexität des Themas geschuldet. Viele verschiedene Rechtsansprüche werden bei der Bildverwendung geltend. Das wichtigste unter Ihnen ist das Urheberrecht des Fotografen und betrifft fast jedes Bild. Das Urheberrecht ist nicht übertragbar, kann also auch nicht käuflich erworben werden und endet in der Regel 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Bildurheber haben einen prinzipiellen Anspruch auf Nennung. Ist für ein Bild kein Urheber zu ermitteln, sollte von der Verwendung lieber abgesehen werden.
Ein weiteres zentrales Recht, das den Umgang mit Fotografien betrifft auf denen Personen abgebildet sind, ist das Persönlichkeitsrecht. Mit diesem geht das Recht am eigenen Bild einher: Vor allem bei kommerzieller Nutzung muss daher unbedingt die Zustimmung des Abgebildeten eingeholt werden.
Die Bildverwendung kann zusätzlich vom Markenrecht eingeschränkt werden. Sind Marken auf den verwendeten Bildern zu sehen, ist Vorsicht geboten: Werden mit dem Bild eigene Produkte oder Dienstleistungen bebildert und beworben werden, kann eine Verletzung des Markenrechts vorliegen. Werden Kunstwerke auf Fotos gezeigt, so gelten für diese ebenfalls das Urheberrecht, sprich: Es muss eine Erlaubnis eingeholt werden.

2) Lizenzierung: So darf’s genutzt werden

Die Art des Lizenzvertrages bestimmt wie Bilder genutzt werden dürfen: In welchen Medien dürfen sie verbreitet werden? Darf ich erworbene Bilder weitergeben? Wie lang dürfen sie genutzt werden? All diese Fragen werden im Kleingedruckten beantwortet. Wichtig vornweg: Lizenzfrei bedeutet nicht kostenfrei und ohne Einschränkungen. Auch lizenzfreie Bilder müssen meist gekauft werden. Anschließend fallen jedoch keine weiteren Gebühren an. Die Weitergabe des Bildmaterials ist jedoch ausgeschlossen. Auch andere Nutzungsrechte können bei lizenzfreien Bildern eingeschränkt sein.

„Lizenzfreie Bilder zum kleinen Preis“ versprechen zahlreichen Microstock-Agenutren. Die bekanntesten unter Ihnen: Fotolia, istockfoto oder auch Shutterstock. Micro bedeutet hier zwar kleine Bildpreise (im Schnitt 2-5 € pro Bild), aber auch kleine Nutzungsrechte. Die Lizenzen gelten meist nur für eine Person, es dürfen keine Produkte mit dem erworbenen Bild hergestellt werden, und auch bei Abdruck in verschiedenen Medien ist die Auflagenhöhe dieser stark begrenzt.
Ein weiteres Modell der Lizenzierung bietet Creative Commons. Hinter CC steckt eine gemeinnützige Organisation und eine Idee: Bildurheber sollen der Öffentlichkeit auf einfache Weise Nutzungsrechte an ihrenBildern zusprechen können. Die Organisation erarbeitete hierfür verschiedene Standard-Lizenzverträge. Bei einem Bild mit Creative Commons Lizenzierung ist in jedem Fall die Nennung des Urhebers verpflichtend. In weiteren Abstufungen werden die Rechte auf Bildbearbeitung, Bildweitergabe und das Recht auf kommerzielle Nutzung geklärt.

Lizenzpflichtige Bilder können bei namenhaften Bildagenturen wie Reuters, dpa oder aus Archiven von Fotografen erworben werden. Die Lizenzvereinbarungen fallen dabei sehr unterschiedlich und individuell aus. Generell sollten im Lizenzvertrag folgende Punkte geklärt werden:

  • Nutzungsart, Medium
  • Umfang, Auflage, Abbildungsgröße
  • Dauer des Einsatzes
  • Einsatzregion
  • Exklusivität

3) Soziale Netzwerke: Einschränkungen bei Facebook & Co

Auch in sozialen Netzwerken gilt: Urhebergeschütztes Material darf nicht ohne Zustimmung gepostet werden. Auch bei erworbenen lizenzpflichtigen und lizenzfreien Bildern sollte vor der Verbreitung in sozialen Netzwerken ein genauer Blick auf die Nutzungsrechte geworfen werden. Häufig ist der Social Media Einsatz in einem gesonderten Punkt lizenzrechtlich geregelt und stark eingeschränkt: In manchen Fällen muss zum Beispiel die Copyright-Information direkt ins Bild integriert werden, in anderen Fällen darf das Bild wiederrum nur eine beschränkte Datengröße aufweisen. Am besten beraten ist, wer nur eigene Fotos in sozialen Netzwerken hochlädt.

4) Firmenlogos: Praxis vs. Rechtslage

Firmenlogos sind urheberrechtlich oder markenrechtlich geschützt. Daher ist auch hier eine Genehmigung erforderlich! In der Praxis hat sich die Verwendung ohne Einholung der Genehmigung häufig durchgesetzt. Es wird davon ausgegangen, dass Firmen nichts gegen die meisten Formen der Logoverwendung haben. Im Zweifelsfall sollte jedoch auf Nummer sicher gegangen werden und die Zustimmung des Urhebers erbeten werden.

Bevor Bilder leichtsinnig hochgeladen, abgedruckt oder in die eigene Präsentation eingebaut werden, sollte stets in Erfahrung gebracht werden, wer Bildurheber ist und wie die Nutzung in der Lizenzvereinbarung geregelt ist. Vor allem bei der Verbreitung über soziale Netzwerke ist Vorsicht geboten. Wer ein Bild hochlädt ist nicht immer auch dessen Urheber. Ach die AFP übernahm die Bilder nicht direkt vom Account des Fotografen Morel, sondern aus einem Retweet, in dem aufgrund fehlender Urheberkennzeichnung kein Hinweis mehr auf den Fotografen der Bilder vorhanden war. Das dieses Unwissen nicht vor Straftat schützt, machte der Richter deutlich: Morel gewann den Prozess – AFP zahlte 1,2 Millionen Dollar Schadensersatz.

 

 

 

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