Mit E-Paper aus der Zeitungskrise? Zahlen zum Berliner Zeitungsmarkt relativieren Hoffnungen

iPad mit Zeitungsmotiv © stockWERK von FotoliaDie Berliner Tageszeitungen mussten in den vergangenen drei Jahren einen deutlichen Einbruch ihrer Verkaufszahlen hinnehmen. Die digitalen Zeitungsausgaben, so genannte E-Paper, verzeichnen dagegen ein Wachstum – allerdings bei den verschiedenen Zeitungstiteln unterschiedlich stark und insgesamt auf niedrigem Niveau. Spitzenreiter und zugleich größter Verlierer des Berliner Zeitungsmarktes ist ein Boulevardblatt…

nämlich die nach eigenem Bekunden größte (in Zentimetern) Zeitung Berlins: die B. Z. Sie verkaufte im ersten Quartal 2011 täglich rund 156.000 Exemplare. Schlusslicht der Berliner Zeitungsausgaben bildet die taz: Im selben Quartal erreicht sie mit 10.800 verkauften Exemplaren nur 7% des täglichen Verkaufsvolumens der B.Z.
Doch der Abstand wird kleiner, denn vor allem die Boulevard-Titel und ganz besonders die B.Z. verlieren kräftig an Auflage: Im letzten Quartal 2013 wurden täglich rund 31.000 Exemplare weniger verkauft als noch zu Beginn 2011, ein Rückgang von 20%!

Boulevardpresse1

Prozentual den größten Verlust erlitt die Berliner Ausgabe der Welt: 21% weniger verkaufte Zeitungen seit dem ersten Quartal 2011. Ebenfalls starke Einbußen, von jeweils 18%, verzeichneten die Berliner Ausgaben von Bild und taz.

Überregional

Bei der Berliner Qualitätspresse fällt der Rückgang der Verkaufszahlen dagegen moderat aus:

Qualitätspresse

Der Tagesspiegel konnte als einzige Berliner Zeitung im gesamten Jahr 2013 seine Verkaufszahlen wieder steigern: Rund 2.800 Exemplare mehr als noch im ersten Quartal wurden in den letzten drei Monaten 2013 täglich verkauft. Diese Entwicklung ist vor allem der E-Paper Ausgabe des Mediums zu verdanken: Seit dem 2. Quartal 2012 schließt die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) verkaufte E-Paper Exemplare in die Gesamtauflagenzahl eines Zeitungstitels mit ein. Der Tagesspiegel ist eines von vier Berliner Medien, die ihren E-Paper Verkauf von der IVW prüfen lassen.

Epaper

Im Jahr 2013 steigerte sich der Verkauf der digitalen Variante des Tagesspiegels um fast 300%. Mit rund 7.500 Exemplaren stellt das E-Paper im vierten Quartal 2013 einen Anteil von 7% an der gesamten verkauften Auflage des Tagesspiegels. Auch die anderen beiden Berliner Qualitätszeitungen, Berliner Morgenpost und Berliner Zeitung, agieren auf dem E-Paper Markt und können seit Erhebungsbeginn ebenfalls ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Auch wenn die Anteile der E-Paper Exemplare am Gesamtverkauf noch sehr gering sind, zeichnet sich das Potential ab, den raschen Auflagenschwund der Tagespresse auf diesem Weg aufzufangen. Eine wachsende Bedeutung werden künftig auch Zeitungs-Apps haben: Dieser speziell aufbereitete E-Content wird allerdings (noch) nicht von der IVW bei der Berechnung der Gesamtauflage berücksichtigt. Leonie Schulz

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