Vorsatz: 2014 bezahle ich für Online-News. Aber nur unter sechs Bedingungen!

MoneyWieso soll ich für etwas bezahlen, das es auch kostenlos gibt? Zum Leidwesen der deutschen Verleger, die trotz Einführung von Bezahlschranken mit ihren Webinhalten kaum Geld verdienen, teilen viele Internetbenutzer diese Haltung. Dabei gibt es  magische Funktionen, für die die meisten Nachrichtenschnorrer sogar mit Freude bezahlen würden! Mir fallen auf Anhieb drei vier fünf sechs ein…

1. „Bitte nicht die Stör-Werbung stören!“
Wenn ich schon bezahle, will ich keine Overlay-und Popup-Werbung ertragen müssen. Das Phänomen der Reaktanz von Usern auf blinkende Werbebanner, die er mühsam ignorieren muss und ihn deshalb besonders ärgern, haben mein Kollege Florian Kerkau und ich bereits hier dargelegt. Auch die langen, Flatrate-zehrenden Ladezeiten auf mobilen Endgeräten und der dauernde Neuaufbau der Seite bis auch der letzten animierte Banner durchgeladen wurde, sorgen für Verdruss bei uns Online-Leser. Ich bezahle deshalb gern, wenn dafür das Werbe-Störfeuer eingestellt wird.  

2. Intelligente Individualisierung 
Inhalte, die ich gern lese, sollen mir schneller präsentiert werden. Wenn ich z. B. jeden Artikel zur Luftfahrt anklicke, dann sollten zukünftige Beiträge zu diesem Thema weit oben auf der Seite stehen. Wenn mir dann dazu noch passende Angebote aus einem angeschlossenen oder externen Shop (lufthansa.de, Amazon.de, Ebay.de) angeboten werden, vielleicht sogar mit Rabatt für Abonnenten (die noch dazu mit einem einzigen Klick in meinen plattformübergreifenden Warenkorb befördert werden können, ohne dass ich die Seite verlassen muss), dann greife ich sicher zu! Außerdem will ich Artikel, die mich nicht interessieren, wegklicken können wie bei Spotify im Radiomodus Songs, die mir nicht gefallen. Und Beiträge, die ich bereits gelesen habe, sollen in einem „Gelesen“-Ordner verschwinden und nicht mehr oben auf meiner Seite erscheinen – auch nicht auf anderen Endgeräten.

3. Fakten, Fakten, Fakten und die Leser fragen!
Marktforschung ist in Zeiten digitaler, polydirektionaler Kommunikation so einfach und günstig geworden wie nie zuvor. Statt Forschungsinstitute wie preceptor zu beauftragen, können Verlage heute einfach das Nutzungsverhalten ihrer Leser analysieren und deren Wünsche – am besten standardisiert – einbeziehen. Etwa indem unter jedem Artikel ein Bewertungskästchen steht, mit dem Abonnenten ein Favoriten-Sternchen, oder ein Gefällt-mir-nicht-Minus abgeben können oder ein Haken setzen, wenn sie in Zukunft mehr zu diesem Thema lesen wollen. Während Chefredakteure früher davon ausgingen, genau zu wissen, was ihre Kunden im Blatt sehen wollen, ist heute angesichts der Massenabwanderung nur ein Fazit möglich: Sie haben sich zu oft geirrt. Wer als Leser aber mit entscheiden kann, wird fest an das Medium gebunden.

Junger Mann im Anzug brennt vor Ärger4. Ausschluss von Trollen und Borderlinern
Durch die Kommentare unter Onlineartikeln zu scrollen ist meistens ernüchternd bis entsetzlich. Der Ton ist rüde und unqualifiziert und nicht selten fehlt jeglicher Bezug zum Thema. Mein Vorschlag für ein kleines Zusatzgeschäft: Wer einen Kommentar schreiben will, muss 50 Cent bezahlen. Oder Abonnent sein. Darüber hinaus sollte unter jedem Kommentar der vollständige Name des Autors stehen. Eine aktive und angemessen strenge Moderation sperrt Trolle und Psychos aus und verhindert beleidigende, unsachliche Kommentare. Im Gegenzug findet ein Austausch zum Thema auf Augenhöhe mit den Journalisten statt, die sich verpflichtet fühlen sollten, unter ihren Beiträgen mitzudiskutieren. Soviel bidirektionale Kommunikation darf man 2014 erwarten!

5. Schneller Abo-Kauf und Login sicherstellen
Im Rahmen von Aktionen, bei denen man ein paar Tausend Meilen oder Paybackpunkte bekommt, schließe ich hin und wieder Abos ab. Daher weiß ich, dass nur wenige Einkäufe so komplizierter sind, wie der Abschluss eines Online-Abos. Warum ist der iTunes-Store so erfolgreich? Weil man alles einfach mit nur einem Klick kaufen kann. Genau so einfach muss man Abos abschließen können, einzelne Ausgaben oder Artikel kaufen können! Doch leider, leider schaffen es die Verlage nicht, sich auf eine gemeinsame Plattform zu verständigen. Und nach dem Kauf ist nichts so abturnend wie das ständige Neuanmelden müssen, um am PC, auf dem Tablett oder Smartphone die gekauften Artikel lesen zu können. Hier muss eine automatische und zuverlässige Identifizierung möglich sein, die parallel auf allen Endgeräten funktioniert und ohne kryptische Anmeldedaten und Passwörter auskommt.

6. Kontakt zu Autoren und Redaktion
Als Ex-Journalist achte ich auf die Namen der Autoren. Meinen Lieblingsredakteuren folge ich auf Twitter oder tausche mich bei Facebook mit ihnen aus. Nur ein Redakteur des Tagesspiegels verweigert sich bisher jeglicher Annäherung – obwohl er beißende Kommentare verfasst und diese auch im Radio vorträgt, findet man auf der Webseite weder einen Twitter-Account noch seine E-Mailadresse. Auf meine Anfrage, wie ich mit ihm im Social Web begegnen könne, antwortete er durchaus charmant, seine Seele brauche ein Schneckenhaus.  So verständlich das ist, so unzeitgemäß ist es. Denn diesen Luxus werden sich 2014 nur wenige Journalisten leisten können. Sie sollten sich nicht in ihre Redaktionsstuben zurückziehen wie sensible Künstler, sondern mit ihren zahlenden Kunden offensiv in den Austausch treten und dadurch an ihre Publikation binden. Dazu gehören (kleine) Portraitbilder jedes Autors unter die Artikel sowie seine E-Mailadresse oder der Twitter-/Gootle+/Facebook-Account. Selbstverständlich sollten auch die Übersichtsseiten zu jedem Journalisten sein, auf denen er sich vorstellt und seine Artikel gesammelt werden. Oliver Numrich

Eine Antwort zu “Vorsatz: 2014 bezahle ich für Online-News. Aber nur unter sechs Bedingungen!

  1. Pingback: Für Online-News bezahlen? Ja – unter einigen Bedingungen. Oliver Numrich erläutert seine Vorsätze für 2014 › GOLDMEDIA Blog

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s