Galerie

Blätterwald auf der re:publica 12: Impressionen – von leuchtenden Tweets, trackenden Stirnbändern und Freiheit fordernden Followern

Entspannte Atmosphäre und Referenten, die sich freuten, ihre Twitterfollower auch einmal im „real-life“ zu treffen.

Entspannte Atmosphäre und Referenten, die sich freuten, ihre Twitterfollower auch einmal im „real-life“ zu treffen.

Eine schöne Spendenidee: Mit jedem Tor gegen die gastgebende Mannschaft einer Targeting Agentur ging ein Euro an die Organisation MyHandycap. Das lohnte sich besonders am Ende des Tages, als sie schon dutzende Spiele hinter sich hatte.

Eine schöne Spendenidee: Mit jedem Tor gegen die gastgebende Mannschaft einer Targeting Agentur ging ein Euro an die Organisation MyHandycap. Das lohnte sich besonders am Ende des Tages, nachdem schon dutzende Spiele gespielt wurden.

Twitter als Kunstobjekt: #tweetscapes beobachtet alle deutschen Twitteraccounts und verwandelt Tweets in Echtzeit in Grafiken und Töne. Wer es auf der re:publica verpasst hat, kann es sich auch über diesen Link anschauen.

Twitter als Kunstobjekt: #tweetscapes beobachtet alle deutschen Twitteraccounts und verwandelt Tweets in Echtzeit in Grafiken und Töne. Wer das Projekt auf der re:publica verpasst hat, kann es sich jederzeit live über diesen Link anschauen.

Spuren der Offline-Realität auf der Onlinekonferenz. Eine große Holzwand wurde während aller drei Konferenztage mit ausgedruckten Tweets zum Hashtag #rp12 tapeziert. Auf verschiedenen Flipchart-Tafeln wurde sich außerdem zu kleineren D.I.Y. Diskussionsrunden und Workshops verabredet – gern auch draußen im Stuhlkreis im Sonnenschein. Sich online zu verabreden wäre ohnehin schwierig gewesen, zwar ist die re:publica eine große Veranstaltung zu vielfältigsten Online-Themen, das aufgebaute W-Lan-Netz lag an allen drei Tagen jedoch die meiste Zeit lahm.

Spuren der Offline-Realität auf der Onlinekonferenz. Auf verschiedenen Flipchart-Tafeln wurde sich  zu kleineren D.I.Y. Diskussionsrunden und Workshops verabredet – gern auch draußen im Stuhlkreis im Sonnenschein. Sich online zu verabreden wäre ohnehin schwierig gewesen. Zwar ist die re:publica eine große Veranstaltung zu vielfältigsten Online-Themen, das W-Lan-Netz lag jedoch an allen drei Tagen die meiste Zeit lahm.

Auf der re:pulica wurden auch die politischen Dimensionen von Social Media diskutiert, was besonders in jenen Ländern brisant ist, in denen Medien zensiert werden. Deshalb wurde der chinesische Blogger Isaac Mao eingeladen, er organisiert eine jährliche Bloggingkonferenz in China und schrieb Google eine offenen Brief, in dem er die Tatenlosigkeit des Konzerns gegenüber der Internetzensur durch die Regierung kritisert. Mao berichtete von Ereignissen, in denen Tweets zwischen Freiheit und Gefangenschaft entschieden. So erfuhr er von einem Chinesen, dem die Regierung die Wiedereinreise in sein Heimatland verweigerte, sodass er insgesamt 90 Tage in einem Flughafen leben musste. Mao telefonierte mit dem festgesetzten Mann und erklärte ihm Twitter. Daraufhin unterstützten zahlreiche Social Media Nutzer den Chinesen, online durch Tweets und Blogbeiträge und offline, in dem sie ihm Kleidung und Essen zum Flughafen brachten. Schließlich geriet der Mann derart in die Öffentlichkeit, dass die Regierung ihn doch einreisen ließ. Für Mao ist es diese Verbindung von Onlinedruck und Offlineaktivismus, die Verhältnisse verändern kann.

Auf der re:pulica wurden auch die politischen Dimensionen von Social Media diskutiert, was besonders in jenen Ländern brisant ist, in denen Medien zensiert werden. Zu diesem Thema wurde der chinesische Blogger Isaac Mao eingeladen. Er organisiert eine jährliche Bloggingkonferenz in China und schrieb Google einen offenen Brief, in dem er die Tatenlosigkeit des Konzerns gegenüber der Internetzensur durch die Regierung kritiserte. Mao berichtete von Ereignissen, in denen Tweets zwischen Freiheit und Gefangenschaft entschieden haben. So erfuhr er von einem Chinesen, dem die Regierung die Wiedereinreise in sein Heimatland verweigerte, sodass er insgesamt 90 Tage in einem Flughafen leben musste. Mao telefonierte mit dem festgesetzten Mann und erklärte ihm Twitter. Daraufhin unterstützten zahlreiche Social Media Nutzer den Chinesen: online durch Tweets und Blogbeiträge und offline, indem sie ihm Kleidung und Essen zum Flughafen brachten. Schließlich geriet der Mann derart in die Öffentlichkeit, dass die Regierung ihn doch einreisen ließ. Für Mao ist es diese Verbindung von Onlinedruck und Offlineaktivismus, die Verhältnisse verändern kann.

Statistik und Analysen sind bei Blätterwald alltägliches Geschäft. Allerdings geht es dabei stets um Medienberichterstattung. Die Mitglieder von Quantified Self Gruppen dagegen erheben Daten über sich selbst und ihr Leben. Meist hat es mit Sport zu tun: wie viele Schritte bin ich heute gelaufen? Waren es mehr als gestern? Und wie viele Schritte laufen ich durchschnittlich im Monate? Ziel sei Selbsterkenntnis durch Zahlen, erläuterte Florian Schumacher, der auf seinem Blog zahlreiche Beiträge zu Quantified Self veröffentlicht hat. Gesammelt werden die Daten meiste mit kleinen Geräten, welche die Informationen dann in eine App im Smartphone oder auf den Computer übertragen. Ein solches Datensammelgerät ist auch das auf den Fotos gezeigte Stirnband. Quantified Self Anhänger, die sich für ihren Schlaf interessieren, setzen sich das Gerät nachts auf die Stirn und lassen aufzeichnen, wie lange sie geschlafen haben, wie viele Stunden sie davon im Tiefschlaf träumten usw. Allerdings: so neu ist die Idee der Selbstvermessung nicht, auch vor I-Phone und Appstore sammelten Menschen Daten über sich selbst. Wer kennt nicht die Senioren, die sich täglich ihren Blutdruckwert notieren. Und Adidas verkaufte bereits in den 80ern 50.000 Paar Schuhe mit eingebauten Schrittzähler und Display. Heute bietet Nike ein Armband an, welches rot, gelb oder grün leuchtet, je nachdem, ob man sich am Tag schon ausreichend bewegt hat oder besser am Abend noch eine Runde ums Haus drehen sollte, um gesund zu bleiben. Besonders für die Medizin können Geräte zur Sammlung und drahtlosen Übertragung von Daten nützlich sein. So gibt es für Krankenhäuser spezielle Kissen, die allein durch den Kontakt beim Schlafen den Herzschlag messen und sofort Alarm weiterfunken können, wenn der Puls sich stark verlangsamt oder beschleunigt. Die anschließende Diskussion „Die totale Selbstkontrolle als Wunsch und nicht Bedrohung“ war allerdings leider wenig kontrovers, obwohl es mindestens zwei brisante Fragen gibt: Wer erhebt Anspruch auf meine Daten und mit wem teile ich diese? Schließlich werden inzwischen Wagen verkauft, welche das Körpergewicht täglich zur Auswertung und Analyse über W-Lan an den Computer übertragen. Allerdings landen die Daten nicht direkt auf der eigenen Festplatte, sondern nehmen den Umweg über den Server der Herstellerfirma – welche alle Daten speichert.

Statistik und Analysen sind bei Blätterwald alltägliches Geschäft. Allerdings geht es dabei stets um Medienberichterstattung. Die Mitglieder von Quantified Self Gruppen hingegen erheben Daten über sich selbst und ihr Leben. Meist hat es mit Sport zu tun: Wie viele Schritte bin ich heute gelaufen? Waren es mehr als gestern? Und wie viele Schritte laufe ich durchschnittlich im Monat? Ziel sei Selbsterkenntnis durch Zahlen, erläuterte Florian Schumacher, der auf seinem Blog zahlreiche Beiträge zu Quantified Self veröffentlicht hat. Gesammelt werden die Daten meiste mit kleinen Geräten, welche die Informationen dann in eine App im Smartphone oder auf den Computer übertragen. Ein solches Datensammelgerät ist auch das auf dem Foto gezeigte Stirnband. Quantified Self Anhänger, die sich für ihr eigenes Schlafverhalten interessieren, setzen sich das Gerät nachts auf die Stirn und lassen aufzeichnen, wie lange sie geschlafen haben, wie viele Stunden sie davon im Tiefschlaf träumten usw. Allerdings: so neu ist die Idee der Selbstvermessung nicht, auch vor I-Phone und Appstore sammelten Menschen Daten über sich selbst. Viele Senioren notieren sich beispielsweise täglich ihren Blutdruckwert. Und Adidas verkaufte bereits in den 80ern 50.000 Paar Schuhe mit eingebautem Schrittzähler und Display. Heute bietet Nike ein Armband an, welches rot, gelb oder grün leuchtet, je nachdem, ob man sich am Tag schon ausreichend bewegt hat oder besser am Abend noch eine Runde ums Haus drehen sollte, um gesund zu bleiben. Besonders für die Medizin können Geräte zur Sammlung und drahtlosen Übertragung von Daten nützlich sein. So gibt es für Krankenhäuser spezielle Kissen, die allein durch den Kontakt beim Schlafen den Herzschlag messen und sofort Alarm weiterfunken können, wenn der Puls sich stark verlangsamt oder beschleunigt. Die anschließende Diskussion „Die totale Selbstkontrolle als Wunsch und nicht Bedrohung“ war allerdings leider wenig kontrovers, obwohl das Thema mindestens zwei brisante Fragen aufwirft: Wer erhebt Anspruch auf meine Daten und mit wem teile ich diese? Schließlich werden inzwischen Waagen verkauft, welche das Körpergewicht täglich zur Auswertung und Analyse über W-Lan an den Computer übertragen. Allerdings landen die Zahlen nicht direkt auf der eigenen Festplatte, sondern nehmen den Umweg über den Server der Herstellerfirma – die alle Daten speichert.

Mehr Infos zur re:publica 12: re-publica.de

Fotos: Kathrin Womser und Matthias Galle

Text: Matthias Galle

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s