Das Rauschen des Blätterwalds jetzt im Martin-Gropius-Bau

Internationale Künstler wie Ai Weiwei, Andy Warhol, Anselm Kiefer, Jonathan Meese und Gerhard Richter sind noch bis zum 23. Juni im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Die Ausstellung ARTandPRESS. Kunst. Wahrheit. Wirklichkeit. zeigt Projekte, die sich mit der Beziehung von Kunst und Politik auseinandersetzen. Wie auch das Titelbild der Ausstellung verrät, steht die Zeitung, der Umgang und die Beschäftigung mit dem Medium im Vordergrund der Ausstellung.

Olaf Metzel zeigt sein Werk „Und dann noch das Wetter“ in einem Raum der mit „Blätterwald“ beschrieben ist. Einzelne Zeitungsseiten, zerknittert und an vertikalen Stangen montiert, sehen aus wie Blätter an Bäumen. Der Zeitungswald scheint verformt, wie vom Wind durchweht. Die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit der Botschaften, die auf den Seiten nur schwer lesbar sind, werden deutlich. Andy Warhol nutzt Zeitungsbilder von Unfällen und Aufständen für seine Siebdrucke auf Leinwand. Die Installation „DIE BUCHSTABEN“ von Anselm Kiefer im Lichthof des Gebäudes bildet den Mittelpunkt der Ausstellung und zeigt ausgediente Druckmaschinen und Filmrollen aus denen mit Blei übergossene Sonnenblumen ranken, auf einer großen Tafel sind zudem einige Worte aus dem Gedicht „Abend der Worte“ von Paul Celan zu lesen. Kiefer kombiniert technische Objekte und natürliche Organismus und erinnert zugleich an die Geschichte des Buchdrucks.

Die Künstler beziehen mit ihren teils extra für die Ausstellung angefertigten Kunstobjekten, die von Malerei und Collage über Skulptur und Installation bis hin zur Fotografie reichen, deutlich Position. Dies passiert mal direkt und mal indirekt, wie beispielsweise bei dem chinesischen Künstler Ai Weiwei. Er zeigt im Martin-Gropius-Bau einige Armierungseisen aus der Beichuan High School, eine der Schulen, die durch das Erdbeben 2008 zerstört wurde. 1.000 Schüler kamen in dem Schulgebäude, das falsch konstruiert war, ums Leben. Die chinesischen Medien berichteten jedoch nicht über den Vorfall. Ai Weiwei schafft mit seinem Werk eine Öffentlichkeit und plädiert für Recherche und Offenlegung und gegen Zensur in den Medien. Eine Besonderheit ist der kunsthistorische Teil der Ausstellung, der die Werke mittels des Ipads präsentiert. Das iPad, zugleich Konkurrent und Retter der Zeitung, wird so zum Träger der Kunstinformation, und verbindet die verschiedenen Arten der Mediennutzung miteinander. Auch eine „App“ mit Hintergrundinformationen und Audioguide kann kostenlos heruntergeladen werden. Gesponsort wird ARTandPRESS durch den Energiekonzern RWE, die Bild-Zeitung ist exklusiver Medienpartner und kündigte die Ausstellung als „sensationelle Kunstausstellung“ an. Trotz dieser Verbindung ist die Ausstellung kein Marketing-Gag und definitiv sehenswert. Kathrin Womser

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