Creative Commons: Auf dem Weg zu einer freieren Kultur?

Kürzlich gingen in Deutschland und ganz Europa Menschen auf die Straße, um gegen ACTA zu demonstrieren. ACTA steht für Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Das Handelsabkommen zur Bekämpfung von Produktfälschungen und Urheberrechtsverletzungen versucht, zwei  elementare Rechte miteinander in Einklang zu bringen: Das auf Freiheit und jenes auf Eigentum. Doch die beste Lösung könnte in den neuen Lizenzformen liegen, die die Organisation Creative Commons entwickelt hat. Urhebern stehen 6 verschiedene Varianten zur Verfügung…

Die Gegner von ACTA wollen, dass es weiterhin freie Inhalte im Netz gibt und diese auch weiter verbreitet werden dürfen. So spricht sich der Blogger Markus Beckedahl für ein zeitgemäßes Urheberrecht aus, dass Nutzern digitaler Medien sowie Künstlern gleichermaßen entgegenkomme. Durch das Internet hätten sich andere Verbreitungs- und Rezeptionsformen entwickelt, die im Sinne einer freien und offenen Gesellschaft auch einer veränderten rechtlichen Grundlage bedürften. Derzeit endet der Urheberrechtsschutz in Deutschland 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Erst dann geht ein Werk in den Bereich der Public Domain über und ist dann zur Bearbeitung und Weiterverwendung freigegeben. Creative Commons ist ein neuer Ansatz für einen alternativen Umgang mit Lizenzen. Die Non-Profit-Organisation Creative Commens wurde 2001 gegründet und hat sechs verschiedene Lizenzverträge entwickelt,  mit denen ein Autor oder Künstler der Öffentlichkeit weitere Nutzungsmöglichkeiten an seinen Werken (Texte, Lieder, Bilder, Videos etc.) einräumen kann:

  • Namensnennung

Das Werk darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Auch Abwandlungen und Bearbeitungen des Inhaltes sind möglich und das Werk darf kommerziell genutzt werden. Die einzige Einschränkung ist, dass der Name des Autors genannt werden muss.

  • Namensnennung – Keine Bearbeitung

Auch hier darf das Werk vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht und kommerziell genutzt werden. Allerdings darf der Inhalt nicht bearbeitet oder abgewandelt werden und der Autor muss genannt werden.

  • Namensnennung – Nicht Kommerziell

Unter dieser Lizenz darf der Inhalt zwar verändert, das Werk allerdings nicht kommerziell genutzt werden. Die Vervielfältigung und Verbreitung sind möglich, der Name des Autor muss jedoch genannt werden.

  • Namensnennung – Nicht Kommerziell – Keine Bearbeitung

Hier darf das Werk – mit Nennung des Autors – vervielfältigt und verbreitet werden, allerdings weder bearbeitet noch kommerziell verbreitet werden.

  • Namensnennung – Nicht Kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Das Werk darf öffentlich verbreitet und inhaltlich verändert werden, jedoch nicht kommerziell genutzt werden. Neben der Namensnennung des Autors ist es zudem erforderlich, dass das entstandene Werk nur unter Verwendung von Lizenzbedingungen weitergegeben wird, die mit den verwendeten identisch oder vergleichbar sind.

  • Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Unter dieser Lizenz muss lediglich der Name des Autors genannt werden und das weiterbearbeitet Werk und gleichen Lizenzbedingungen weitergegeben werden. Dementsprechend darf das Werk bzw. der Inhalt vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Auch Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes sind möglich und das Werk darf kommerziell genutzt werden.

Für alle Lizenzversionen gilt, dass jede der Bedingungen aufgehoben werden kann, wenn die Einwilligung des Rechteinhabers vorliegt. Gehört ein Werk zur Public Domain, wird dieser Status von den oben genannten nicht eingeschränkt. Die Creative Commons-Lizenzen finden immer häufiger Anwendung. Neben freien Musikstücken, die Mitglieder einer Remixszene im Internet bereitstellen, verwenden auch große Medienhäuser die Symbole zur Kennzeichnung ihrer Beiträge. Der NDR beispielsweise stellt in einem Pilotprojekt mehrere seiner Videos unter CC-Lizenzen im Internet zur Verfügung, darunter die Sendung Extra 3 sowie Zapp – das Medienmagazin. Der Radiosender DRadio hat eine eigene Netaudio-Sendung in der Künstler, die die Creative Commons-Lizenzen nutzen vorgestellt werden und darüber hinaus auch Material zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt wird. Google hat die Lizenzformen in seine Bildersuche integriert. Dazu muss man unter images.google.de auf die “Erweiterten Einstellungen” klicken und kann dann dort die verschiedenen Nutzungsfreiheiten bei der Suche berücksichtigen.

Es regt sich allerdings auch Widerstand gegen die zunehmenden Freiheiten im Netz. Vor wenigen Tagen machte Sven Regener, Sänger der Band Element of  Crime, in einem Monolog während eines Interviews auf die Probleme, die mit frei verfügbarer Musik im Internet verbunden sind aufmerksam. Vor diesem Hintergrund hat sich auch die Deutsche Content Allianz, ein Zusammenschluss aus öffentlich-rechtlichen sowie privaten Rundfunkanstalten, der Gema, der Bundesverband der Musikindustrie und anderen großen Medienunternehmen, für eine stärkere Bestrafung von Urheberrechtsverletzungen im Internet ausgesprochen. Die Band Deichkind hingegen hatte sich vor kurzem noch auf die andere Seite geschlagen und sich gegen die Gema gestellt, da ein Video der Band auf YouTube gesperrt wurde. Kathrin Womser

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