TV-Beobachtung: Probleme, Alternativen, Ausblick

Die Dauer der Mediennutzung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Das Fernsehen ist mit täglich 229 Minuten noch immer das von den Deutschen am meisten genutzte Medium. Viele Unternehmen, die ihre Kommunikationsmaßnahmen beobachten, sind sich dessen bewusst und wünschen kontinuierliche oder temporäre TV-Beobachtung. In Deutschland gibt es da jedoch einige Probleme:

1. Begrenztes Angebot
Nur wenige Dienstleister sind in diesem Bereich aktiv und beobachten generell nur eine begrenzte Auswahl redaktioneller Angebote. Das Tracking wird meist mit einer speziellen Spracherkennungssoftware durchgeführt, die allein auf der Tonspur, also dem ausgesprochenen Suchbegriff basiert. Einblendungen der Logos oder anderer dem Unternehmen zugehörige Symbole können dadurch häufig nicht berücksichtigt werden. Entsprechend können fiktionale Programme, Sportsendungen und Zufallseinblendungen in der Regel nicht in die Analyse einbezogen werden.  Für den Bereich des Sportsponsorings, bei dem die visuelle Erfassung  von Logos von großer Bedeutung ist, gibt es Spezialdienstleister wie Sport+Markt aus Köln, die Einblendungen mit Hilfe einer speziellen Software erkennen können.

2. Hoher Preis
Die TV-Beobachtung ist generell vergleichsweise teuer: allein die Benachrichtigung über einen Treffer kostet zwischen fünf und zehn Euro, der Beitrag selbst um 50 Euro. Auch mehrfach auf verschiedenen Sendern ausgestrahlte Beiträge – beispielsweise Nennungen in der Tagesschau auf ARD, NRD, RBB, usw. –  müssen vom Kunden abgenommen werden. 

3. Keine nachträgliche Recherche
Ein großes Problem bei TV-Beobachtung ist, dass sie nicht retrospektiv möglich ist. Anders als etwa bei Artikeln aus Zeitungen und Zeitschriften, die von kostenpflichtigen Archiven wie LexisNexis, Genios oder Factiva bis zurück in das Jahr 2000 digital vorgehalten und per Suchabfrage im internet komfortabel durchsucht werden können, fehlt ein solches Archiv für TV-Beiträge. Viele Kunden entscheiden aber erst nach einem medial erfolgreichen Ereignis, die Aufnahmen archivieren oder nutzen zu wollen. Doch dann ist es in der Regel zu spät, um die Aufnahmen über die Medienbeobachtung zu erhalten.

4. Kompliziertes Urheberrechtrecht
Beim Kauf eines Beitrags sind die entsprechenden Lizenzgebühren für die Verwendung nicht enthalten. Je nach Verwendungszweck muss sich der Kunde selbst darum kümmern, die notwendigen Lizenzen beim Rechteinhaber einzuholen. Das kann der Fernsehsender sein oder auch der Autor eines Beitrags.

Und das sind die Alternativen

1. Um Belegexemplar bitten
Der einfachste und preiswerteste Weg ist es, generell bei einem Interview oder Dreh im eigenen Unternehmen den Journalisten stets um ein Belegexemplar zu bitten. Das gilt für Printjournalisten wie für Hörfunk- und Fernsehleute. Falls es aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist, eine CD Rom mit dem geschnittenen Beitrag zu erhalten, bitten Sie eindringlich darum,  wenigstens den Sendetermin rechtzeitig vorab zu erfahren. Denn dann können Sie…

2.  Rechtzeitig Aufzeichnung programmieren
Eine Alternative zur TV-Beobachtung durch externe Dienstleister sind herkömmliche Festplattenrecorder, die Programme digital speichern und zeitglich abspielen können. Ähnlich funktionieren auch Aufzeichnungssysteme wie etwa T-Entertain der Telekom. Des Weiteren sind auch verschiedene Online-Videorecorderdienste im Internet verfügbar, die je nach Wunsch bestimmte TV-Sendungen aufnehmen. Dabei wählt man Sendungen aus einem elektronischen Programmführer aus, lässt diese von einem Online-Dienst aufzeichnen und kann sie dann später herunterladen. Der bekannteste Videorecorder im Internet ist Online-TV-Recorder, der eine große Anzahl an Programmen aus dem In- und Ausland bereitstellt und kostenlos zur Verfügung steht. Weitere Anbieter heißen Save TV, Bong TV, Myabo TV und Shift TV. Die Kosten sind bei etwa 60€ im Jahr sehr gering. Allerdings sind die genannten Angebote offiziell nur für den Privatgebrauch zu nutzen.  Darüber hinaus muss die Rechtefrage auch hier individuell für die jeweilige Nutzung mit dem Rechtsinhaber jedes Beitrags geklärt werden.

3. Webinhalte nach TV-Beiträgen durchsuchen
Verschiedene Dienstleister bieten zudem die Beobachtung von Internetinhalten an und durchsuchen Ankündigungen für TV-Beiträge (z. B. tvmovie.de, ard-mediathek.de). Die Ergebnisse werden dann in einer Treffer-Email gebündelt angezeigt. Der Nachteil dabei ist, dass der Suchbegriff schriftlich in Überschrift oder Beitext enthalten sein muss und der Kunde sich gesondert um die Ermittlung des Beitrages kümmern muss.

4. Manuelle Nachrecherche
Eine manuelle Nachrecherche direkt in den entsprechenden Mediatheken der Sender (z. B. zdfmediathek.de, dw-tv.de , rtl-now.rtl.de) sind möglich, jedoch aufwendig und langwierig, wenn nicht bekannt ist in welchem Beitrag das Unternehmen genannt wurde. Ist der Beitrag bekannt, kann dieser auch beim Sender bestellt werden, was jedoch sehr teuer ist.

Wie sieht die Zukunft aus?
Wünschenswert wäre ein System, welches das gesamte deutsche TV-Programm regelmäßig und konstant trackt. In den USA ist man bereits soweit: Die amerikanische Firma TVEyes hat mit ihrem Echtzeit-Media-Monitoring ein System entwickelt, welches das gesamte TV- und Radioprogramm aufzeichnet und es anhand von Suchbegriffen und Themen durchsuchbar macht. Für alle Inhalte gibt es eine Flatrate und die Benachrichtigungen werden innerhalb von Sekunden versendet sobald ein Suchbegriff in den Programmen auftaucht. Die Suche beschränkt sich dabei nicht auf die USA sondern berücksichtigt auch englischsprachige Sendungen aus anderen Teilen der Welt wie etwa London, Bejing oder Qatar. Vielleicht gibt es so einen fantastischen Dienst irgendwann auch einmal für den deutschsprachigen Raum! Kathrin Womser

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