Ein Blätterwald im Scheunenviertel

In der Nähe des S-Bahnhofs Hackescher Markt gelegen, findet man das blätterwald-Büro in der Oranienburger Straße 27, zwischen Monbijoupark, dem ehemaligen Haupttelegrafenamt und dem Kunsthaus Tacheles, gleich neben der Neuen Synagoge mit ihrer großen goldenen Kuppel. Eine kleine Einfahrt führt in die großzügige Wohn- und Gewerbehofanalage, die 1996 umfassend erneuert wurde und heute unter dem Namen Kunsthof Berlin bekannt ist. Die Gebäudeanlage wurde in den Jahren 1840 bis 1866 im klassizistischen Architekturstil der Schinkel-Zeit erbaut, bis dahin war lediglich der Hofbereich bebaut, der als Schankwirtschaft  genutzt wurde. Während der ersten Bauphase wurden der Bau des dreistöckigen Vorderhauses sowie die östlich und westlich angrenzenden Seitengebäude durch den Kaufmann Ernst Wilhelm Müller und den Kassierer des Königlichen Generalpostamtes Weigel veranlasst. Zudem wurden ein turmartiger Anbau (eine so genannte Belvedere) an der linken Seite und Quergebäude hinzugefügt. Der Fabrikant Joseph Tobias Goldberger führte den Bau ab 1855 fort. Er ließ die Belvedere verlängern, den westlichen Hofflügel neu bauen und schloss den gesamten Bau 1866 mit einem neuen Quergebäude ab (Quelle). Das Gebäude gehört heute zu den wenigen noch erhaltenen in Berlin, die den spätklassizistischen Formenkanon und seine typische Baukonstruktion zeigen. Das 1840 erbaute Vorderhaus besticht vor allem durch klare Reihung der Fenster, die betonte Mittelachse durch den auffälligen Balkon sowie die Drempelfenster mit Zinkgussrossetten. Das Belvedere und die westlichen Anlagen zeigen Merkmale des italienischen Villenstils (Quelle). Die Wohnräume in der ersten Etage wurden von der Familie Goldberger repräsentativ mit hochwertigen Wanddekorationen und Intarsienparkett ausgestattet. Beides wurde während der Renovierungsarbeiten von 1996 ausgebessert und ergänzt und liefert somit ein seltenes Zeugnis der Innenraumgestaltung aus der Zeit Friedrich Wilhelm IV. Allerdings ist das teils stark abgetretene Parkett im ersten Stock heute mit einem Glasboden bedeckt, um den wertvollen Boden zu schützen (Quelle).

Hausherr Goldberger
Die Gebäudeanlage wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Joseph Tobias Goldberger erbaut, dessen Sohn Ludwig Max Goldberger eine bekannte Unternehmerpersönlichkeit und Geheimer Kommerzienrat im kaiserlichen Berlin war. Bekannt ist der Unternehmer noch heute, auch wenn die meisten seinen Namen wohl nicht kennen. Das geflügelte Wort „Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ geht auf Goldberger zurück, der nach einer Amerikareise 1903 ein Buch unter diesem Titel veröffentlichte. Darüber hinaus war er einer der Mitbegründer der Dresdner Bank und leitete den Verein der Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). In dieser Position trug er maßgeblich zum Zustandekommen der Berliner Handelskammer bei und zudem ist es ihm gelungen, die Gewerbeausstellung 1896 nach Berlin zu holen (vgl. Zabel, Hans-Henning, „Goldberger, Ludwig Max“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 603 f.).  Die Gräber der beiden Unternehmer Goldberger sind auf dem jüdischen Friedhof Prenzlauer Berg.

Blick vom Monbijou-Park auf das Bode-Museum auf der Museumsinsel

Jüdisches Leben in der Oranienburger Straße
In der Oranienburger Straße befindet sich die Neue Synagoge, die seit ihrer Eröffnung 1866 den Mittelpunkt des jüdischen Lebens in der Spandauer Vorstadt bildet. Von dem Architekten Eduard Knoblauch geplant, besticht der Bau vor allem durch die vergoldete Kuppel und orientalische Formen und Elemente. Während der Pogromnacht am 8. November 1938 wurde auch die Synagoge in der Oranienburger Straße angegriffen, allerdings konnten größere Schäden durch das Eingreifen des Polizeioberleutnants Wilhelm Krützfeld verhindert werden. Ende November 1943 wurde das Gebäude jedoch durch Bomben eines britischen Luftangriffes teilweise schwer beschädigt (Quelle). Auch rund um die Neue Synagoge fand und findet reges jüdisches Leben statt, neben mehreren Bildungseinrichtungen in der Straße befand sich in der Gebäudeanlage der Hausnummer 27 der jüdische Arbeiterklub „Peretz“ (vgl. Dauerausstellung in der Neuen Synagoge, Oranienburger Straße). Den Arbeiterklub gibt es heute nicht mehr, dafür wird nur eine Querstraße weiter, in der Tucholsky-Straße, auch wieder gebetet, in der orthodoxen Synagoge „Adass Jisroel„, zu der das Beth Café gehört, in dem koscher gekocht wird. In der Großen Hamburger Straße,  ist die  Jüdische Oberschule untegebracht, nur wenige Schritte entfernt von einem  jüdischer Friedhof. Rund um den Hackeschen Markt, dem so genannten Scheunenviertel, gibt es viele vergangene und aktuelle Zeugnisse jüdischen Lebens vom Anne-Frank-Zentrum bis zum Zentralrat der Juden.

Im Goldberger-Haus hat nicht nur das blätterwald-Büro für Medienbeobachtung und Medienanalyse seinen Sitz, sondern auch die Goldmedia Holding, zu der blätterwald gehört, und die Onlineverkaufsplattform DaWanda. Kathrin Womser

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