Vorsicht vor unfairen Journalisten: Keine Vertraulichkeit bis zur ersten Veröffentlichung

Volodymyr Leus Fotolia.comImmer wieder werden Pressereferenten enttäuscht, die Journalisten allzu offenherzig über Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation Auskunft erteilen: Obwohl sie das Gefühl hatten, dem Reporter vertrauen zu können, wird eine Randbemerkung, ein Witz oder eine Einlassung aufgegriffen und in einen falschen oder negativen Zusammenhang  gestellt. Darauf müssen Sie achten:

Machen Sie sich bei jedem Gespräch mit einem Journalisten klar, dass Sie niemals wissen, mit welchem Ziel Sie befragt werden. Egal wie sympathisch Ihnen das Medium, die Stimme oder das Aussehen erscheinen, bleiben Sie sachlich und zurückhaltend. Auch wenn aus 95% der Presseanfragen genau die Meldungen resultieren, die Sie erwartet haben, so gibt es doch einen geringen Prozentteil von Anfragen, die von Anfang an zum Ziel hatten, Munition für eine Enthüllungsstory mitsamt deftiger Schlagzeile zu sammeln. Zwar gehört es zum journalistischen Ethos, kritisch gegenüber dem Berichtsgegenstand zu sein und Abstand zu wahren. Dennoch gibt es immer wieder Kollegen, die sich mit gespieltem Einverständnis Vertrauen erschleichen und ihr Gegenüber durch das Signalisieren von Zustimmung zu immer gewagteren Einlassungen treiben. Je argloser der Gesprächspartner, umso größer die Gefahr, dass ein entsprechender Beitrag zweckentfremdet wird, um einen einseitigen oder gar falschen Eindruck beim Betrachter zu erzeugen. Bewahren Sie deshalb Abstand! Werden Sie nicht vertraulich und bläuen Sie das auch denjenigen Fachkollegen ein, mit denen der Journalist noch sprechen wird.

Es gilt das gesprochene Wort
Gehen Sie davon aus, dass das einmal ausgesprochene Wort gilt. Sie werden in der Regel nicht die Möglichkeit haben, den Beitrag später noch einmal zu kontrollieren. Denn zu Recht wird jeder Journalist und jede Redaktion auf die Freiheit der Presse hinweisen: Kein Journalist möchte sich einen Artikel „freigeben“ lassen. Und argumentieren Sie nicht damit, Zahlen oder komplizierte Sachverhalte auf ihre korrekte Wiedergabe prüfen zu wollen! Es liegt in der Verantwortung des Journalisten, Sachverhalte, über die er berichtet, zu durchdringen und für den Leser oder Zuschauer vereinfacht aber korrekt wiederzugeben. Die Redaktion wiederum kontrolliert, ob das gelingt und prüft darüber hinaus die Fakten. Redaktionen von Printmedien legen Berufspolitikern das redigierte Interview in der Regel noch einmal zur Autorisierung vor, aber als Laie müssen Sie gezielt darauf drängen, ihre Zitate noch einmal freigeben zu dürfen. Und selbst hier hat der Journalist immer noch die Möglichkeit, bestimmte Aussagen indirekt wiederzugeben. Dann könnten Sie zwar eine Gegendarstellung fordern, aber damit wird so eine Angelegenheit oft nur noch größer und problematischer. Bei audiovisuellen Medien wie Hörfunk oder TV ist selbst die Autorisierung nicht möglich – was gesagt und aufgezeichnet wurde – wird nach Gutdünken des Journalisten verwendet. Das kann auch heißen: es wird stark verkürzt, es wird von mehreren Antworten zu einer Sache diejenige verwendet, die für Sie am unvorteilhaftesten ist, und wenn Sie Pech haben, wird Ihre Antwort mit einer anderen Frage versehen oder völlig aus dem Zusammenhang gerissen.

Was tun bei unfairer Berichterstattung?
Falls Sie dennoch reingelegt wurden, bleiben Sie gelassen und beruhigen Sie Geschäftsführung und Kollegen. Keiner sollte dem Medium mit Gegendarstellung drohen (oder gar eine Drohung auf Band hinterlassen á la Wulf). Überlegen Sie stattdessen, welche milderen Mittel es gibt, um einen falschen oder schlechten Eindruck bei den Lesern oder Zuschauern  gerade zu rücken. Blasen Sie vor allem eine Meldung in der Lokalzeitung nicht zu einem Medienskandal auf. Und bei großen Medien gilt: Verderben Sie es sich nicht auf Dauer mit einem Verlag! Rufen Sie nach dem Durchatmen in der Redaktion an und sprechen Sie über Ihr Unbehagen. Schlagen Sie vor, dass eine Stellungnahme von Ihnen als  Leserbrief abgedruckt wird. Bitten Sie darum, dass der von Ihnen als unfair empfundene Beitrag gar nicht erst auf der Webseite des Mediums erscheint oder dort entfernt wird, damit nicht all jene, die im Internet nach Ihrem Unternehmen oder Ihrer Organisation suchen, noch Jahre lang darauf gestoßen werden. Möglicherweise einigen Sie sich auf einen zweiten, wohlmeinenderen Bericht in einem halben Jahr als Kompensation.

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