Das kleine Drei-Mal-Eins der Merkmalsabgrenzung

Die Grafik zeigt eine in mehrfacher Hinsicht misslungene Merkmalsabgrenzung: Die Ausprägungen (dargestellt als geometrische Formen) überlappen sich, bilden den Begriffsraum des Untersuchungsgegenstands (grüne Fläche) nicht vollständig ab und weisen zum Teil über ihn hinaus.

Vor jeder Medieninhaltsanalyse müssen alle Merkmale und deren möglichen Ausprägungen definiert, mit Indikatoren versehen und beides im Codierbuch festgehalten werden. Auch die einzelnen Schritte von der ersten Inaugenscheinnahme bis zu den Schlussfolgerungen, die so genannte Operationalisierung, müssen im Codebuch plausibel dargelegt werden, denn nur so können außenstehende Dritte die Untersuchung nachvollziehen.
1 Mal 3: Abgrenzen
Zunächst müssen alle für die Fragestellung relevanten Begriffe aufgelistet und abgegrenzt werden. Manchmal ist es nicht leicht, für Begriffe aus dem Alltag eine operationale Definition zu finden. Viele Wörter können unterschiedlichen aufgefasst werden und ihre Bedeutung hängt stark vom Zusammenhang ab, in dem sie verwendet werden. Die operationale Definition gibt die Regeln wieder, auf welche Weise die relevanten Inhalte in Daten transformiert werden sollen. So kann beispielsweise die Regel bestehen, Überschriften eins zu eins in den Datensatz zu übernehmen oder bestimmte Akteure oder Mitbewerber, die im Text genannt sind, festzuhalten.

2 Mal 3: Einrahmen
Für die Codierung ist zusätzlich die Bildung von Indikatoren nötig, die exklusiv und trennscharf voneinander formuliert werden. Die Indikatoren spiegeln leicht verständliche Umschreibungen wider, mithilfe dessen indirekte Bezeichnungen erkannt und codiert werden können. Beispielsweise kann in die Kategorie „Image/Ansehen der Organisation“ eine große Zahl an Worten einbezogen werden: seriös, renommiert, (in-)kompetent, vielseitig, hilfsbereit, vorausschauend, verschwenderisch. Beispielhafte Indikatoren bilden somit einen theoretischen Rahmen, der es dem Codierer ermöglicht, auch neue oder indirekte Bezeichnungen richtig zuzuordnen. Zumindest wenn ein gewisses Interpretationsvermögen vorhanden ist, das die Ähnlichkeit zwischen Indikatorkatalog und den untersuchten Objekten identifizieren kann.

3 Mal 3: Verfeinern
Die vorliegenden Definitionen und Indikatoren müssen während der Auswertung kontinuierlich verfeinert  und vervollständigt werden, denn zu Beginn einer Untersuchung liegen sie selten vollständig vor. Häufig sind sie nicht einmal bekannt – eine gute Untersuchung funktioniert schließlich immer insoweit explorativ, als dass sie neue, unerwartete Begrifflichkeiten oder inhaltliche Bezüge zutage fördert, von denen der Forscher anfangs nichts geahnt hatte. Christopher Joe Hanneken

Diese Grafik zeigt eine gelungene Merkmalsabgrenzung: Die Ausprägungen überlappen nicht und decken doch den gesamten Merkmalsraum ab.

Diese Grafik zeigt eine gelungene Merkmalsabgrenzung: Die Ausprägungen überlappen nicht und decken doch den gesamten Merkmalsraum ab.

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