Was Sie beim Erstellen eines Pressespiegels beachten sollten

Die Weitergabe von gelungenen Veröffentlichungen ist eine gute Gelegenheit, die erfolgreiche Pressearbeit ins Gespräch zu bringen. Außerdem erwarten Kunden, Vorgesetze und Mitarbeiter zu Recht, darüber informiert zu werden, wie die Medien über Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation berichten. In welcher Form Inhalte von Ihnen weiter gegeben werden können ist allerdings durch das Urheberrechtsgesetz genaustens geregelt und erfordert Fingerspitzengefühl, denn Fehler in diesem Bereich können sehr schnell teuer und unangenehm werden.

1. Wie Sie rechtssicher einen Pressespiegel erstellen
In vielen Unternehmen ist es üblich, aktuelle Zeitungsartikel zu einem Pressespiegel zusammen zu stellen. Diese Sammlung wird kopiert oder eingescannt und den Vorständen und Abteilungsleitern zur Kenntnis gegeben. Wenn Sie für Ihr Unternehmen einen regelmäßigen Pressespiegel erstellen möchten, um damit die Ergebnisse Ihrer erfolgreichen Pressearbeit zu dokumentieren, sollten Sie beachten, dass sowohl für papierene wie für elektronische Pressespiegel eine Lizenzgebühr fällig wird. Denn durch Vervielfältigung oder Digitalisierung wird das geistige Eigentum eines Dritten genutzt. Auch wenn in einer Veröffentlichung ausschließlich Ihr Unternehmen thematisiert wird, entbindet Sie das nicht von der Gebührenzahlung. Selbst wenn es sich bei dem Beitrag beispielsweise um ein Interview mit Ihrem Geschäftsführer handelt, ist es geistiges Eigentum des Journalisten bzw. des Verlags und damit urheberrechtlich geschützt. Hat der Redakteur doch die Fragen formuliert, die Antworten redigiert und für die Veröffentlichung gesorgt. Einzige Ausnahme: Sie fertigen 7 oder weniger Exemplare des Pressespiegels an – diese geringe Anzahl von Vervielfältigungen sind mit dem Kaufpreis der Zeitung abgedeckt. 

Was in den Pressespiegel darf, bestimmt der Gesetzgeber
Damit nicht alle, die einen Pressespiegel erstellen, mit jedem Journalisten und jedem Verlag einzeln eine Zweitverwertung vereinbaren müssen, gibt es eine vereinfachte Regelung für die Erstellung von Pressespiegeln, den so genannten „Pressespiegelparagraphen“ im Urheberrechtgesetz (§49 Abs. 1 Satz 2 UrhG). Als Pressespiegel gilt demnach die Sammlung von Meldungen aus Tageszeitungen und anderen lediglich Tagesinteressen dienenden Presseprodukten, die sich mit politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Themen befassen. Das bedeutet: Wissenschaftliche, rein technische oder kulturelle Veröffentlichungen fallen NICHT unter die vereinfachte Regelung für die Lizenzierung von Pressespiegeln! Falls Sie entsprechende Meldungen, die Ihnen z. B. aus der Medienbeobachtung zugegangen sind, in Ihren Pressespiegel aufnehmen wollen, müssen die Lizenzen anderweitig erworben werden (siehe weiter unten). Ein Pressespiegel darf weiterhin nur innerhalb eines Unternehmens, einer Behörde oder einer Organisation und ohne kommerzielles Interesse verbreitet werden. Die Lizenzen für papierne oder elektronisch erzeugte, aber nicht durchsuchbare Pressespiegel werden von der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) eingenommen. Die VG Wort sammelt diese und andere Gebühren aus Vervielfältigung oder Mehrfachnutzung von Texten (z. B. von Bibliotheken, Lesezirkeln oder Herstellern von Kopierern) treuhänderisch ein und schüttet sie an Verlage und Autoren aus.

2. So rechnen Sie Papierpressespiegel ab
Die Anmeldung eines Pressespiegels erfolgt durch ein formloses Schreiben an die VG Wort (Goethestraße 49, 80336 München), in dem Erscheinungsbeginn, Zahl der Ausgaben im Jahr und die Auflagenhöhe benannt sind. Mit dem Anschreiben senden Sie für den Gesamtzeitraum repräsentative Belegexemplare ein, z. B. die Belege eines Monats bei täglichem Erscheinen oder dreier Monate bei wöchentlichem Erscheinen. Die Belege werden von der VG Wort ausgewertet und entsprechend dem urheberrechtsrelevanten Anteil eine jährliche Vergütungssumme errechnet. Die angemessene Vergütung für eine einzelne DIN A4-Seite eines Pressespiegels ist mit 4,75 Eurocent einschließlich Verwaltungskosten festgelegt, wobei für den Umfang die Größe der ursprünglichen Zeitungsveröffentlichung maßgebend ist. Daraus folgt, dass die Anzahl aller kopierten DIN A4-Seiten multipliziert mit 0,0475 Euro den Preis für eine Ausgabe des Pressespiegels ergeben.

Beispielrechnung „Lizenz für Papierpressespiegel“
Umfang eines Exemplars: 15 DIN A4-Seiten
Anzahl der Exemplare: 30
= 15 x 23 x 0,0475 Euro = 21,38 Euro
Bei werktäglicher Herausgabe eines papiernen Pressespiegels vom Umfang der Beispielrechnung entstünden monatliche Lizenzgebühren von 20 x 21,38 Euro = 427,50 Euro.

Lizenzen auch für Onlineartikel und Blogbeiträge
Auch redaktionelle Onlineartikel, die Sie aus dem Internet ausdrucken und Ihrem papiernen Pressespiegel anfügen, können und müssen im Rahmen der vereinfachten Lizensierung von Pressespiegeln der VG WORT gemeldet und abgerechnet werden. Ebenso Beiträge aus Internet-Blogs, die mindestens 1.800 Zeichen umfassen – denn auch professionelle Blogger können Ausschüttungen von der VG Wort erhalten. (Dieser Beitrag besteht übrigens aus 8.000 Zeichen). Twitter-Nachrichten und Nutzerkommentare in Internetforen oder Communitys genügen den Mindestanforderungen für eine Ausschüttung nicht und es ist nach allgemeiner Rechtsauffassung davon auszugehen, dass deren Abdruck meldefrei bleibt. Sofern in Ihrem Pressespiegel Bilder oder Grafiken enthalten sind, werden diese ebenfalls über die VG Wort abgerechnet, die ihrerseits entsprechende Einnahmen an die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst weiterleitet. Für ein Bild gilt derselbe Tarif wie für einen Text. Das vervielfältigte Bild wird ebenfalls nach Umfang bemessen, wobei ein Bild mindestens mit einer Viertelseite bewertet wird.

3. So rechnen Sie elektronische Pressespiegel ab
Damit der digitale Pressespiegel über die vereinfachte Lizenzregelung abgerechnet werden kann, gelten für ihn dieselben Vorbedingungen wie für den papierenen: Verwendet werden dürfen nur Meldungen zu Politik, Wirtschaft oder Religion von tagesaktuellem Interesse (auch bei nur wöchentlicher oder monatlicher Herausgabe). Darüber hinaus darf die Verbreitung ausschließlich in Form von grafischen Dateien (PDF) erfolgen, die keine Such- oder Indizierungsmöglichkeiten bieten. Weder Aufbewahrung noch Archivierung sind zulässig – spätestens nach einer Woche müssen die Artikel gelöscht werden. Folgerichtig ist auch der Aufbau einer Artikeldatenbank nicht gestattet. Der elektronische Pressespiegel ist nur für die interne Verwendung zugelassen und seine Verteilung darf einen überschaubaren Empfängerkreis nicht überschreiten. Damit verbietet es sich, den digitalen Pressespiegel öffentlich zugänglich zu machen, etwa indem er auf der eigenen Webseite zum Download angeboten wird. Da die Anzahl der regelmäßigen oder gelegentlichen Nutzer die Höhe der Lizenzgebühr bestimmt, die pro verwendeten Artikel zu entrichten ist, wird ein digitaler Pressespiegel üblicherweise per E-Mail an einen definierten Kreis von Empfängern gesendet oder im Intranet einer begrenzten Zahl von Nutzern zugänglich gemacht.Auch digitale Pressespiegel können über die VG Wort abgerechnet werden. Sobald sie aber „durchsuchbar“ sind und nicht nur als Bild-Datei sondern auch als Volltext vorliegen, müssen sie über die PMG abgerechnet werden.

Lizenzierung digitaler Pressespiegel erfolgt in der Regel durch PMG
Die Lizenzen für digitale Pressespiegel zieht die Presse-Monitor GmbH (PMG) im Auftrag der Verlage ein. Auf deren Webseite finden Sie im Menü „Produkte“ die Rubrik „Pressespiegel“ und darunter den Punkt „Rechtekauf §49“. Hier werden die geltenden Bestimmungen aufgeführt und es steht ein Preisrechner für die von Ihnen benötigte Zahl von Regel- und Gelegenheitsnutzer zur Verfügung. Auf dieser Seite finden sich auch Angebote, die Nutzung einzelner Artikel abzurechnen, die nicht unter den Pressespiegelparagraphen fallen, wie z. B. Beiträge in Fachmedien. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der PMG-Webseite in derselben Rubrik unter dem Punkt „Rechtekauf PMG“. Die Erstellung eines elektronischen Pressespiegels zieht Folgekosten nach sich. Während beim Papierpressespiegel nur Kosten für Papier und Tonerkatuschen sowie Arbeitszeit für Auswahl, Ausschneiden, Aufkleben und Vervielfältigen der Artikel anfallen, muss für den elektronischen Pressespiegel deutlich mehr Zeit für das Digitalisieren und Zusammenführen der Dokumente als PDF sowie ggf. zusätzliche Kosten für die Anschaffung entsprechender Software eingerechnet werden. Für die Verwaltung der PDF und die Erstellung von Pressespiegeln bieten Dienstleister spezielle Software an.

Bei Abrechnung über die PMG kostet die Verwendung eines Artikels im Pressespiegel für bis zu 30 Regelnutzer 1,19 Euro, für 31 bis 60 Regelnutzer kostet ein Artikel 1,29 Euro. Erst bei größeren Nutzerzahlen wird zwischen Regel- und Gelegenheitsnutzern unterschieden.

Beispielrechnung „Lizenz für elektronischen Pressespiegel“
Umfang eines Exemplars: 15 Artikel
Anzahl der Regelnutzer: 30
= 15 x 1,19 Euro = 17,85 Euro
Bei werktäglicher Herausgabe eines elektronischen Pressespiegels vom Umfang der Beispielrechnung entstünden monatliche Lizenzgebühren von 20 x 17,85 Euro = 357,- Euro.

Lassen Sie sich nicht Bange machen! Das Urheberrecht in Deutschland ist kompliziert und ständig in Bewegung. Wenn Sie aber im Umgang mit dem geistigen Eigentum Dritter die wesentlichen Grundregeln einhalten, die hier ausgeführt wurden, sind Sie auf der sicheren Seite.
[Alle Angaben ohne Gewähr]

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Eine Antwort zu “Was Sie beim Erstellen eines Pressespiegels beachten sollten

  1. Die Illuminaten!
    Bei der Beispielrechnung „Lizenz für Papierpressespiegel“ mit einer Auflage von 30 Exemplaren soltle es doch wohl 15 x 30 x 0,0475 Euro = 21,38 Euro heißen. Nicht x 23.

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