Wie sich trotz Krise auf wundersame Weise Zeitungen vermehren

Für mich ist das eines der aktuellen Topthemen beim Monitoring: Der Trick mit den vielen Unterausgaben. Wie er funktioniert? Naja, es ist doch so: Medienbeobachter rechnen ihre Leistungen nach der Anzahl der gelieferten Zeitungsausschnitte ab. Dabei gilt: Derselbe Ausschnitt, der identisch in mehreren Unterausgaben gefunden wurde, wird nur einmal geliefert, aber auf dem Datenträgerblatt, auf dem er klebt, werden alle Unterausgaben ausgewiesen, in denen er 1 zu 1 abgedruckt wurde. Jede einzelne Unterausgabe wird abgerechnet und kostet je nach Anbieter und Medium zwischen 0,95 Euro und 1,65 Euro. Tatsächlich lassen sich für die Anzahl der Unterausgaben einer Zeitung und deren jeweilige Auflage selten ganz genaue Angaben machen. Die Verlage selbst unterscheiden ihre Unterausgaben in den Mediadaten häufig nur grob nach Anzeigengebieten oder Kreisen. Nicht automatisch sind die Zuschnitte der Ausgaben an den Lokalredaktionen orientiert. Je größer ein Zeitungsverbund, umso komplexer ist der Zuschnitt seiner Unterausgaben und deren Bezeichnungen. Die Medienbeobachter machen sich das zu nutze. Nicht nur haben die verschiedenen Ausgaben etwa von der Neuen Ruhr-Zeitung/Neue Rhein-Zeitung oder der Westdeutschen Zeitung bei jedem Beobachter andere Beititel, sie beziehen sich auch auf unterschiedliche Gebiete und haben stark abweichende Reichweiten. Und der eine Dienstleister kennt 20 Ausgaben und der andere sogar 30 oder 35 – und es werden immer mehr. Klar ist: Der Kunde hat keine Chance nachzuvollziehen, ob die aufgelisteten Ausgaben tatsächlich existieren. Er kann höchstens die Einzelreichweiten aufaddieren und prüfen, ob sie die Gesamtauflage des Mediums laut IVW übersteigen. Aber natürlich achtet der Beobachter darauf und unterteilt die Auflagen entsprechend in kleinere Häppchen. Und die meisten Pressestellen gucken nicht so genau hin, denn so lange die Zahl der Meldungen, in denen sie genannt wurden, kontinuierlich ansteigt, ist für sie alles in Ordnung. Und so profitieren beide Seiten davon, dass es scheinbar immer mehr lokale Zeitungen in Deutschland gibt – trotz der „angeblichen“ Zeitungskrise.

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